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Re: Fanclubversammlung Mai/Juni 2012
(15.06.2012 10:02), von Suhler91
 

Interview mit Miloslava ‚Mila‘ Lauerova

Autor: Bux, Samstag, 3. Februar 2007
Suhl, 03.02.2007: „Kurzer Prozess“ könnte man zu dem knapp einstündigen 3:0-Sieg unserer Damen gegen WiWa Hmburg sagen, um nicht das böse Wort „bessere Trainingseinheit“ zu verwenden. Als das deutliche „Urteil“ gesprochen war, haben wir das große Vergnügen gehabt, mit Mila ein paar Worte zu wechseln. Ausserdem haben wir als Bonus auch noch ein kleines Gespräch mit Jule Schneider geführt. Hier klicken! Wir hoffen wie immer, dass wir mit unseren Fragen ein wenig Euren Nerv getroffen haben, und wünschen viel Spaß beim Lesen!

Dynamics: Nach dem letzten Spiel, gegen Köpenick, haben wir dich ja draußen auf der Treppe getroffen und haben gesagt, „…na ja, 5 Sätze… das war ja ein bisschen zu spannend.“ Und du meintest: „Na ja, ihr bezahlt ja auch dafür“…
Mila:(lacht)

Dynamics: …aber mal ganz ehrlich, so ein 3:0 ist doch auch besser, oder?
Mila: Natürlich ist ein 3:0 immer besser. Aber ich muss auch sagen, dass sich Köpenick sehr verbessert hat. Da spielen junge Spielerinnen, die vor 2 Jahren in die 1.Bundesliga aufgestiegen sind. Mittlerweile haben sie auch Erfahrungen gesammelt. Und sie haben ja auch 3:0 gegen Münster gewonnen. Ich denke also nicht, dass sie so ein leichter Gegner sind.

Dynamics: Das heutige Spiel war nun relativ deutlich. War also nicht die Gefahr da, das der Gegner durch eigene Unachtsamkeiten doch noch mal ins Spiel findet?
Mila: Unsere Spielerinnen haben gute Aufschläge gemacht aber es war nicht so ein heißes Spiel. Ich denke es war nicht so ein schöner Volleyball heute. Ich weiß aber nicht wie ich es erklären soll…

Dynamics: …man passt sich dem Gegner an…?
Mila: …ja, ich weiß nicht. Ich bin niemand, der jetzt sagt, dass wir gegen einen schlechten Gegner spielen. Das möchte ich wirklich nicht sagen, aber es ist schon ein Unterschied, wenn man gegen Schwerin oder Dresden spielt. Da ist das Spiel dann spannender und man fühlt sich toll. Na ja, die 2 Punkte sind auf jeden Fall „zu Hause“.(lacht freudig)

Dynamics: Stimmt. Das Restprogramm an Spielen ist ja doch erstmal wieder etwas härter.
Mila: Ja, jetzt kommen die richtig guten Mannschaften: Vilsbiburg, Münster, Schwerin usw. Iryna war in letzter Zeit ja auch verletzt. So etwas passiert natürlich beim Sport. Aber glücklicherweise ist sie jetzt zum richtigen Zeitpunkt wieder gesund geworden. Also ich denke wir schaffen das schon nächste Woche, obwohl es natürlich hart werden wird. Wir haben aber auch Münster und Vilsbiburg zu Hause. Also einfach mal abwarten, wie es wird. Schwerin auswärts wird sicher richtig schwer werden, genau wie das Spiel in Dresden. Natürlich werden wir trotzdem alles versuchen, um zu gewinnen. Wir möchten ja schließlich eine Medaille. Ich hab nämlich noch keine. Das ist mein „Mega-Traum“!

Dynamics: Du bist ja eine Spielerin die nach außen hin sehr emotional ist…
Mila: …ja, sehr viel… (lacht)

Dynamics: …machst du das eventuell manchmal mit Absicht um die anderen Spielerinnen mitzureißen?
Mila: Wenn ich spüre, dass die Mannschaft so ein bisschen einschläft, dann versuche ich natürlich, sie wieder aufzuwecken. Aber emotional war ich schon immer, 28 Jahre lang…(lacht)

Dynamics: Gab es auch schon Momente, in denen du dachtest, dass es besser gewesen wäre, etwas cooler zu belieben?
Mila: Das kann ich überhaupt nicht beeinflussen. Wenn ich zum Beispiel ein Ass kassiere, oder einen Fehler mache, dann bleibe ich noch ruhig. Denn das passiert anderen auch. Aber wenn dann ein einfacher Aufschlag des Gegners kommt und ich mache einen Fehler, dann bin ich natürlich wütend. Ich bin sehr emotional und ich kann das nicht beeinflussen. Ich kann nicht ruhig sein, (lacht) auch im Privatleben.

Dynamics: Jetzt hast du ja im Volleyball eine Spielposition, bei der ein Fehler auch gleich einen Punkt für den Gegner bedeuten kann. Das bringt ja bestimmt besondere Herausforderungen mit sich.
Mila: Ja, Libero geht ganz viel über den Kopf. Die anderen Spielerinnen haben Aufschlag, Angriff usw., und wenn es da nicht so gut läuft haben sie noch Block oder Annahme. Ich habe nur Annahme und Abwehr. Und die Annahme ist wichtig. Wir üben das auch ganz oft beim Training, dass wir den einen Fehler einfach „wegschmeißen“. Han sagt auch, dass dieser eine Punkt sowieso nicht wieder kommt. Man muss das auch trainieren. Auf der einen Seite muss man die Fehler. die man gemacht hat vergessen, aber man muss schauen, wieso man diese Fehler gemacht hat. Das ist auch nicht so einfach. Wenn ich spiele, und bei einer Annahme passiert mir ein Fehler, dann ist das noch nicht so schlimm. Folgt dann ein zweiter Fehler, dann ist das schon anders, und dann kommt ein bisschen die Nervosität hinzu. Denn meine Aufgabe ist die Annahme, und ich habe auch mal einen schlechten Tag. Ich bin eben keine Maschine.

Dynamics: Du hast ja auch mal längere Zeit aussetzen müssen, als du krank warst. Das war bestimmt sehr schwer, von draußen zuschauen zu müssen?
Mila: Ja. Ich erinnere mich ungern an diese Zeit. Das war die schlimmste Zeit in meiner Volleyballkarriere. Ich dachte, ich werde nie wieder Volleyball spielen. Mein Arzt hat zu mir gesagt, dass ich das schaffe. Es gab aber auch andere Ärzte, die pessimistischer waren und gesagt haben, dass ich das nicht mehr schaffe. Ich habe immer noch Probleme mit meinen Stimmbändern durch die Operation. Das war ziemlich hart damals, aber ich habe mir gesagt, dass ich das schaffen werde. Zweimal musste ich operiert werden, weil es noch Komplikationen gab mit meinen Stimmbändern. Und dann habe ich drei Wochen später selber mit trainieren angefangen, erst einmal langsam mit Fahrradfahren. Ich konnte noch kein Krafttraining machen. Ab August haben die anderen Spielerinnen mit der Vorbereitung auf die nächste Saison angefangen, da habe ich dann auch wieder mitgemacht. Für mich persönlich war der größte Sieg in meinem Leben, dass ich das geschafft habe. Es war auch schwer wieder zurück zu kommen. Wenn man ein halbes Jahr nicht gespielt hat, geht auch ein großes Stück Selbstvertrauen – nicht verloren – aber man muss wieder anfangen es aufzubauen. Bis jetzt bin ich sehr zufrieden, dass ich Volleyball spielen kann. Denn Volleyball ist mein Leben.

Dynamics: Die „Wolfsgrube“ ist in der Liga eine der Hallen, wo es am „heißesten“ hergeht. Ist das auch für dich eine Sache wo du sagst: „Das hilft mir auch.“
Mila: Natürlich! Gar keine Frage. Ich erinnere mich noch an eine Situation: In Tschechien kommen nicht so viele Leute zu den Spielen. Als ich dann das erste mal hier spielte, und mich beim Einspielen umgedreht habe, sah ich, dass die Halle voll war. Bis zu dem Zeitpunkt war ich ganz ruhig, aber dann habe ich gezittert und dachte: „Verdammt, was machen die Leute hier?“, Ich bin dann leicht nervös geworden. Aber es gibt einen natürlich viel Energie, wenn du diese Stimmung spürst. Das ist immer eine Hilfe. Das ist für uns auch ganz wichtig, wenn wir schlecht spielen, oder es geht einfach nicht so gut, dass die Fans uns dann helfen. Denn ich denke sie sind auch da, weil sie uns helfen wollen. Das hilft uns auf jeden Fall. Das sieht man auch in Münster. Sie haben auch ein tolles Publikum. Als wir in der letzten Saison dort gespielt haben, haben wir 3:2 verloren. Aber 3 Sätze haben wir echt geführt, 20:16 oder 20:15…

Dynamics: …und dann kam so eine Aufschlagserie und die Zuschauer sind alle aufgestanden…
Mila: …ja, das war unglaublich. Das geht nicht nur uns so. Eine solche Stimmung ist schön. Und wenn die Zuschauer zufrieden sind, sind wir natürlich auch zufrieden.

Dynamics: Dann drücken wir die Daumen, dass wir hier noch schöne Siege und so tolle Stimmung in der Meisterrunde miterleben dürfen.
Mila: Klar, es ist auch immer davon abhängig, gegen wen wir spielen. Haben wir einen harten Gegner, ist die Halle auch gut gefüllt. Zum Beispiel die Spiele gegen Dresden, mit ihrer großartigen Stimmung. Das spürt man jedes mal. Warum dies immer bei den Dresdenspielen ist, kann ich als Ausländerin schwer nachvollziehen, es ist jedoch immer ein großes Derby, oder?

Dynamics: Ja, auf jeden Fall.
Mila: Warum eigentlich?

Dynamics: Dresden macht im Vorfeld immer viel Druck, obwohl sie das gar nicht so nötig hätten. Im Blätterwald rauscht es dann auch immer ordentlich. ;)
Mila: Nur gegen Suhl oder allgemein?

Dynamics: Ja, auch gegen uns – sie haben sich eben anfangs darüber aufgeregt, das wir so viele „Ausländer“ im Kader haben.
Mila: Sie haben ein Problem damit, dass wir Ausländer sind?

Dynamics: Wir hoffen nicht…
Mila: Ja, ich hoffe auch nicht… (lacht)

Dynamics: OK, dann bedanken wir uns, wünschen dir noch einen schönen Abend.
Mila: Danke gleichfalls…(lacht)

Das Interview führte Ingolf Rust (SC). Dank an Tommy für’s abtippen.

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