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Re: Fanclubversammlung Mai/Juni 2012
(15.06.2012 10:02), von Suhler91
 

Interview mit Paulina Gomulka

Autor: Ingolf Rust, Dienstag, 19. Januar 2010

Suhl, 16.01.2010: Bühne frei für unser erstes Interview in 2010. Dieses Mal stand uns Paulina Gomulka Rede und Antwort. Auf der Busfahrt nach Köpenick nahm sie sich die Zeit und hat für uns ein paar Interview-Fragen beantwortet. Aber unser Dank dafür gilt nicht nur Paulina, sondern auch Olaf Garbe und Marek Buchholz, die sich um die Übersetzung gekümmert haben. Das gute Ergebnis spricht jedenfalls für sich. Viel Spaß bei der Lektüre. (SC)

Dynamics: In der letzten Saison lief es ja im Team insgesamt nicht so gut, aber du musstest auch um einen Stammplatz kämpfen. In dieser Saison bist du nicht mehr aus dem Team wegzudenken und ganz vorn unter den Top-Scorern [1] der Liga. Wie schwer war dieser Weg für dich und wie sehr fühlst du dich mittlerweile in Suhl und im Team zu Hause?
Paulina: Über die vergangene Saison möchte ich nicht mehr sprechen. Dieses Thema ist für mich abgeschlossen. Mit dem neuen Trainer habe ich von Anfang an versucht, gut zu trainieren, und bin froh, mir einen Platz im Stammsechser erkämpft zu haben. Bereits in der Vorbereitung hat Jean-Pierre viel Wert auf den Zusammenhalt im Team gelegt. Dies gibt auch mir Kraft und schlägt sich in den erreichten Ergebnissen nieder.

Dynamics: Du hast ja auch deinen Freund „nachgeholt“. Wie sehr hilft es dir, hier in der Fremde etwas „Familie“ um dich zu haben? Konntet ihr schon gegenseitig eure Spiele besuchen?
Paulina: Um nicht depressiv zu werden, ist Anschluss in- und außerhalb des Teams für mich sehr wichtig. Im Verein herrscht ja eine familiäre Atmosphäre, die sicherlich gerade den Spielerinnen aus dem Ausland enorm hilft. Auch Marek als Landsmann hilft mir sehr, z.B. bei Übersetzungen. Mein Freund spielt in der Regionalliga in Sonneberg. Aufgrund des Terminplans bleibt oft nur der telefonische Kontakt an den Spieltagen. Bisher habe ich erst ein Spiel in Sonneberg sehen können.

Dynamics: Soweit wir wissen hast du dich quasi beim VfB beworben. Wie hast du damals vom VfB Suhl erfahren und warum hast du dich letztendlich für Suhl entschieden?
Paulina: Als es in meinem Verein in Polen große finanzielle Probleme gab, entschloss ich mich, ins Ausland zu wechseln, auch um mal etwas in meinem Leben zu ändern. Meine Freundin Kasia, die damals in Erfurt spielte, erzählte mir, dass es in Deutschland solide und gut strukturierte Vereine gibt. So ist der Kontakt zu Suhl entstanden. Dann war es eher der klassische Weg.. DVD… Probetraining. Hier hat mich besonders erstaunt, dass ich nach dem Probetraining vom Präsidenten zum Abendessen eingeladen wurde. Das war für mich eine neue Erfahrung.

Dynamics: In Polen ist Volleyball viel populärer als hier in Deutschland, und viele internationale Spitzenspielerinnen stammen aus deiner Heimat. Gab es da ein bestimmtes Vorbild für dich, und wie bist du überhaupt zum Volleyball gekommen?
Paulina: Durch die Erfolge der Nationalmannschaft sowohl bei den Männern als auch Frauen ist die Popularität in Polen in den letzten Jahren stark angestiegen. Gerade die Frauen-Nationalmannschaft hat eine große Fangemeinde, was man ja bei der EM in Polen auch im Fernsehen beobachten konnte. Mein persönliches Vorbild ist Malgorzata Glinka [2]. Wie ich zum Volleyball gekommen bin … als ich 8 Jahre alt war, arbeitete mein Vater in Griechenland und besuchte mit mir dort einige Volleyballspiele. Das beeindruckte mich sehr, sodass ich mich entschloss, dass auch mal zu probieren. Nach unserer Rückkehr nach Polen, habe ich dann auch gleich in Stary Sacz mit dem Volleyball begonnen. Aufgrund meiner Körpergröße durfte ich dann auch gleich bei den Älteren mitspielen. Tja… so war das 😉

Dynamics: Du hast ja schon einiges an Erfahrung im Volleyball gesammelt, und hast dich auch international erfolgreich mit der Nationalmannschaft in wichtigen Spielen auf dem Feld bewährt. Wie weit oben rangiert da das anstehende DVV-Pokalfinale, und bist du im Vorfeld solcher Spiele noch aufgeregt?
Paulina: Das Pokalfinale hat für mich den gleichen Stellenwert wie die Junioren-EM. Aufgeregt bin ich eigentlich nie. Ich bereite mich auf alle Spiele gleich vor, habe aber natürlich das Video von 2008 gesehen und freue mich auf die große Kulisse. Ich bin sehr motiviert, dort meine beste Leistung abzurufen. Aber mit eurer Unterstützung wird das schon klappen.

Dynamics: Vor das Pokalfinale hat der Volleyball-Gott noch ein paar wichtige Ligaspiele gesetzt. Nach dem heutigen Spiel gegen Köpenick warten mit Schwerin und Vilsbiburg zwei dicke Brocken – allerdings beides Heimspiele. Wie sehr hilft dir der Heimvorteil in solchen Spielen, und wie gefällt dir die Atmosphäre in der Wolfsgrube? Wie geht ihr in die kommenden Spiele, nachdem ihr in Wiesbaden ja so knapp an einem wichtigen Sieg vorbeigeschrammt seid, und wie tief saß der Schreck im Team, als sich herausstellte, dass Lucija nicht weiterspielen konnte?
Paulina: Natürlich haben wir mit Vilsbiburg und Schwerin jetzt zwei dicke Brocken vor uns. Zusammen gelingt es uns aber, gerade gegen die Top-Gegner unsere besten Leistungen abzurufen. Ich bin auch froh, dass wir endlich mal wieder zu Hause spielen können. Die Niederlage in Wiesbaden sollte man nicht am Ausscheiden von Lucija festmachen, wir haben im Team genug Kraft und Zusammenhalt, auch solche Sachen zu meistern. Leider hat das in Wiesbaden nicht ganz so funktioniert. Wir denken im Team immer positiv, das war in der Vorbereitung ein wichtiger Aspekt. Aber natürlich hoffen wir, dass Lucija als unser Abwehrchef bald wieder mit dabei sein kann.

Dynamics: Abschließend noch ein kleiner Blick in die Zukunft: Wo in der Tabelle wird der VfB am Ende der Saison stehen?
Paulina: Das kann man zu einem Zeitpunkt, wo noch nicht einmal die Hälfte der Saison gelaufen ist, noch nicht sagen. Da spielen zu viele Faktoren eine Rolle, die man zumeist nicht beeinflussen kann. Ich denke wir haben mit dem Erreichen des Pokalfinales und dem aktuell 3. Platz bereits Einiges erreicht und arbeiten stets daran, uns weiter zu verbessern. Was dann am Ende rauskommt?… manchmal träume ich vom Meistertitel 😉

[ratings]

Interview Fragen und Bearbeitung Ingolf Rust, Fotos René Siegling

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