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Re: Fanclubversammlung Mai/Juni 2012
(15.06.2012 10:02), von Suhler91
 

Interview mit Tatjana Boskovic

Autor: Bux, Montag, 22. Oktober 2007

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Suhl, 22.10.2007: Vier Spiele sind nun vorüber, und die Fans konnten sich einen kleinen Eindruck machen, wie stark der VfB diese Saison auftreten kann. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten gegen die Raben aus Vilsbiburg kommt das Team nun langsam in Fahrt und gewann die letzten 3 Spiele (in Leverkusen, Münster, sowie zu Hause gegen die Freunde aus Köpenick) souverän mit gerade ein mal einem Satzverlust.
Ein wichtiger Baustein für den Erfolg ist Tatjana Boskovic, die in den bisherigen Spielen für enorme Stabilität beim früheren Sorgenkind, der Annahme, sorgt.

Dynamics: Die neue Saison ist jetzt schon ein paar Spiele „alt“, und nach der enttäuschenden Niederlage gegen Vilsbiburg konntet Ihr nach drei Siegen in Folge wieder etwas Schwung mitnehmen. Aber zu erst vielleicht ein Blick auf die erste Partie der Saison: Ihr konntet alle Saisonvorbereitungsspiele gewinnen, und besonders das Spiel gegen NA.Hamburg hinterließ einen guten Eindruck. Aber während der ersten beiden Sätze gegen die Roten Raben schien das Team durcheinander und mental etwas müde zu sein. Wart Ihr von der Leistung des Gegners überrascht, oder war der Unterschied zwischen Vorbereitung und Liga-Realität zu groß? (Han meinte im Interview, dass die Gegner in der Vorbereitung nicht stark genug gewesen wären.)
Tanja: Die Vorbereitungsspiele haben wenig mit den Saisonspielen gemein. Sie sind allein psychologisch völlig anders. Mr. Abbing hatte recht, als er sagte, das die Vorbereitung nicht herausfordernd genug war. Wir konnten unser Leistungslimit in diesen Partien nicht ergründen, weil wir die meisten mit 60-70 Prozent unserer Fähigkeiten gewinnen konnten. Was Vilsbiburg angeht – wir waren meiner Meinung nicht optimal auf das Spiel vorbereitet. Wir hatten keine genauen Informationen, welche Spielerinnen auflaufen würden. Unglücklicherweise waren die Raben stärker als wir dachten, und haben eine sehr gute Leistung gezeigt, was ich von uns leider nicht sagen kann. Wir hatten Probleme bei Aufschlag, Zuspiel und Feldabwehr. Es tut mir wirklich leid, dass wir das Spiel nicht für uns entscheiden konnten, weil die Atmosphäre in der Halle so großartig war. Für mich war es auf jeden Fall sehr inspirierend.

Dynamics: Das Team hat sich dann aber gut von diesem Fehlstart erholt, und überzeugende Siege gegen Münster, Köpenick und Leverkusen einfahren können – die „Schwergewichte“ kommen aber erst noch. Was glaubst Du, an welchen Dingen müsst Ihr während der kurzen Pause nach dem VCO-Spiel noch arbeiten, um gut für diese Partien gerüstet zu sein?
Tanja: Ja, wir sind dann gut zurück gekommen, aber die Kontrahenten in diesen Spielen waren nicht von der Qualität Vilsbiburgs bzw. der kommenden starken Gegner. Diese „leichten“ Spiele müssen wir nutzen, um unser Spiel flüssiger zu machen. Wir haben immer noch ein paar Probleme mit dem sogenannten „free ball“ (Bälle, die notgedrungen über das Netz gepasst werden müssen, da kein Angriffsschlag möglich ist), und beim Erzielen der „sicheren“ Punkte, wenn unsere Annahme gut war. Aber da werden wir in der Pause mit Sicherheit dran arbeiten.

Dynamics: Viele der Fans sind besorgt ob der Tatsache, dass wir im Moment nur 8 gesunde Spielerinnen haben. Ist das etwas, worüber Ihr euch auch im Team Sorgen macht, und wie beeinflusst diese Situation die Arbeit im Training?
Tanja: Die Tatsache, dass wir zur Zeit nur zu acht sind, beunruhigt uns im Moment wirklich. Gott seit Dank ist zur Zeit keine weitere Spielerin verletzt, und wir bekommen das noch gemanagt. Allerdings beeinflusst dieses Problem nicht nur das Training, es schmälert auch unsere Möglichkeiten im Spiel. Wir Spielerinnen können uns momentan keinen „schlechten“ Tag leisten, da wir sonst große Probleme bekommen. Leider konnte die Vereinsführung keine adäquate Spielerin, die ins Budget passte finden, und so müssen wir jetzt eben unser Bestes geben, um den Erfolg des vergangenen Jahres wiederholen zu können.

Dynamics: Der 16. November ist für uns Fans ja ein ganz besonderer Tag, weil unsere Lieblingsgegner vom Dresdner SC zu Besuch kommen. Du kennst die Atmosphäre in der „Wolfsgrube“ ja aus den ersten Spielen, aber diese Spiele sind berühmt dafür, besonders spannend und emotional zu sein. Wie hat Dir die Stimmung während der ersten Spiele gefallen, und freust Du dich auf Spiele wie dieses Derby?
Tanja: Ich freue mich sehr auf solche Spiele, weil sie immer das Beste aus einem herauskitzeln. Für die Spieler(innen) ist es immer leichter, schwere Spiele zu spielen, als die „leichten“, wo man sich im Voraus sicher ist, dass man gewinnen wird. Wie schon gesagt, die Stimmung im Spiel gegen Vilsbiburg war großartig, und ich freue mich schon auf weitere Spiele wie dieses. Für mich ist es sehr wichtig, dass die Halle voll und laut ist, weil ich dann viel motivierter und inspirierter bin. Derbys sind mir am liebsten, und ich hoffe, dass wir euch ´dieses Mal nicht enttäuschen.
Gegen Dresden werden wir aber auch alles geben müssen, und uns darauf konzentrieren, so wenige Fehler wie möglich zu machen, da im modernen Volleyball derjenige gewinnt, der die wenigsten Fehler macht. Das muss nicht zwangsläufig das bessere Team sein.

Dynamics: Du hast ja schon einmal eine Saison in Deutschland gespielt, und verschiedene europäische Vereine im Laufe deiner Karriere kennen gelernt. Findest Du es schwierig, dich auf neue Vereine und Ligen einzustellen, und wie stark ist die DVL verglichen mit den Erfahrungen, die Du die letzen Jahre gemacht hast, und wie sehr hat sie sich seit 2001/02 verändert?
Tanja: Mittlerweile spiele ich schon sieben Jahre in ausländischen Profiligen. In den ersten beiden Jahren gab es ein paar Anpassungsschwierigkeiten und Heimweh, aber man gewöhnt sich an dieses Leben. Natürlich ist es viel einfacher für mich, weil mich meine Tochter und mein Mann überall hin begleitet haben.
Die Qualität der deutschen Liga hat sich in diesen 6 Jahren sehr verändert, und sie ist nicht mehr die selbe Qualität, weil die Budgetzwänge der Teams dazu geführt haben, dass viele gute (deutsche und ausländische) Spielerinnen die Liga verlassen haben. Die türkische Liga, in welcher ich letzte Saison spielte, ist sehr stark besetzt und fast so gut wie die italienische. Jedes Spiel ist dort ein Derby, und es gibt keinen Gegner, bei welchem man sich im Voraus seiner Punkte sicher sein kann. Dadurch ist der Druck sehr hoch, und es ist sehr schwierig, besonders für junge Spieler(innen). Trotzdem war es mein Wunsch, wieder nach Deutschland zurückzukehren, und ich bin hier rundum zufrieden, zumal es hier viel besser für meine Familie ist.

Dynamics: Wie kam der Kontakt mit dem VfB zustande, und wie sind Deine ersten Eindrücke von Verein, Mitspielerinnen und deiner neuen Umgebung hier in Suhl? Hast Du dich denn gleich ein bisschen heimisch gefühlt, als Du deine neuen Mannschaftskolleginnen getroffen hast?
Tanja: Ein Teil der Frage hab ich ja vorher schon beantwortet, und daher möchte ich nur noch hinzufügen, dass ich mich sehr wohl im Kreise meiner Mitspielerinnen fühle und mich auch gleich heimisch fühlte, als ich herkam. Ich mag Suhl, und am meisten gefällt mir, dass ich überall zu Fuß hingelangen kann. In Belgrad musste ich immer 9-10 km fahren, um zum Training zu kommen, und in Istanbul ebenso. Das ist schon erfrischend anders und auch viel entspannter, zumal ich so mehr Zeit für andere Dinge habe. Ein weiterer Grund, warum ich mich hier so wohl fühle, ist die gute Organisation bei Verein und Fans.

Dynamics: Als letzte Frage: Wie bist Du eigentlich zum Volleyballsport gekommen? Gab es da vielleicht Vorbilder zu denen du aufgeschaut hast, und denen Du nacheifern wolltest?
Tanja: Zu erst habe ich sieben Jahre lang Tennis gespielt, als ich mit meinen Eltern in Griechenland gelebt habe. Aber es hat mir nicht so viel Spaß gemacht. Eines Tages bin ich nach der Schule zu einem Volleyball-Training gegangen, und da entschied ich mich, mit Tennis aufzuhören. Es war Liebe auf den ersten Blick! Es hat mir einfach viel besser gefallen, im Team Sport zu treiben, obwohl mir mein Vater den Rat gab, beim Individualsport zu bleiben. Er sagte damals: „Du musst dich nie auf andere verlassen, nur auf dich selbst.“ Er war damals Fussball-Torhüter, und sprach aus Erfahrung. Ich konnte das verstehen, blieb aber trotzdem im Team. Durch meine Zeit beim Tennis hab ich daher auch etwas „spät“ (mit 13 Jahren) mit dem Volleyball angefangen. Mein erster Verein war „Roter Stern“ (Belgrad), aber da blieb ich nur für sechs Monate. Die ersten „richtigen“ Schritte als Volleyballerin habe ich dann bei Obilic Belgrad gemacht, wo ich für sechs Jahre gespielt habe. Meine Profikarriere begann ich dann bei Postar Belgrad.

Das Interview führten die Dynamics via Mail (SC, AA, BX, Übersetzung: SC).

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