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Re: Fanclubversammlung Mai/Juni 2012
(15.06.2012 10:02), von Suhler91
 

Abbing: „Es wird besser als letzte Saison“

Autor: Redaktion, Freitag, 18. September 2009
Han Abbing
  Bildquelle: www.fivb.org

In einem ausführlichen Telefongespräch hatte die dynamische Redaktion gestern noch einmal die Gelegenheit, mit Han Abbing über den erfolgreichen Coup in Mexiko zu sprechen. Im Sommer konnte er dort die deutsche Junioren-Nationalmannschaft zum ersten Weltmeister-Titel in der Geschichte des DVV führen. Außerdem gab der ehemalige VfB-Coach auch einen Tipp zur kommenden DVL-Saison ab, und war sich auch hinsichtlich der neuen VfB-Mannschaft sicher: „Es wird besser als letzte Saison.“ lautete sein Tipp.

In unserem Interview zu Beginn der vergangenen Saison [1] sah er zwar (wie viele andere Experten) auch den VfB unter den Titelkandidaten – neben Dresden und Vilsbiburg. Doch angesichts seiner darauf folgenden Prognose, die deutsche Nachwuchs-Nati könne bei der Junioren-WM um eine Medaille kämpfen, ist das wohl als Ausrutscher zu werten. Letztere traf nämlich voll ins Schwarze Goldene.

Han Abbing über die WM-Vorbereitung, …

Wir hatten natürlich eine gute Mannschaft, die auch eine gute Bundesligasaison gespielt hatte. Am Ende waren wir 11., aber punktgleich mit dem Achtplatzierten und mit Mannschaften wie Münster. Das hat uns natürlich schon Selbstvertrauen gegeben, und wir konnten zeigen dass wir gegen diese und weiter oben platzierte Mannschaften was reissen können. Dann kam mit Lenka Dürr noch eine sehr gute Libera zum Team, mit Berrit Kauffeld eine gute Mittelangreiferin (…) und dann ist Janine Völker aus Schwerin noch in den Stammsechser gekommen. Im Juni hatten wir dann in der Vorbereitung Brasilien zu Besuch, gegen die wir dann auch ein mal gewinnen konnten – immerhin der Weltmeister bei den vergangenen 3-4 Turnieren. Und da haben wir gemerkt, dass schon einiges möglich ist, wenn uns so etwas gelingt. Später gab es dann beim WM-Vorbereitungsturnier in Polen zwar auch noch mal eine Klatsche gegen Brasilien, wo man merkte, dass sie sich gut vorbereitet hatten und eine Revanche wollten. Ansonsten haben wir aber auch dort ein gutes Turnier gespielt. Den letzten Abschnitt der Vorbereitung hatten wir dann in Brasilien selbst, und das war natürlich sehr schön. Dort ist Volleyball bei den Männern wie Frauen eine sehr populäre Sportart – nach dem Fußball im Vergleich wie etwa hierzulande der Handball. Das war dann sehr inspirierend für alle. Dort gab es quasi vier Hallen (in etwa wie die in Münster) nebeneinander, wo gemeinsam trainiert wird – die Wände geschmückt mit großen Bildern der großen brasilianischen Volleyballer(innen). Das war noch mal eine sehr gute Woche, wo wir noch mal gut trainieren und auch relaxen konnten, zudem haben wir auch noch ein mal gegen Brasilien gespielt. Am Ende haben wir zwar knapp mit 2:3 verloren, aber man konnte schon das Gefühl bekommen, was möglich ist. Und da war das Ziel klar, dass man mit so einer außergewöhnlich talentierten Truppe schon eine Medaille holen müsste. Zum Beispiel im Zuspiel – eine sehr wichtige Position – haben wir mit Lena (Möllers) und Sandra Sydlik (jetzt Potsdam) zwei sehr gute Spielerinnen. Besonders Lena ist sehr talentiert, und wird in Zukunft sicher die erste Zuspielerin der A-Nationalmannschaft werden können. (…)

…über den Turnierverlauf, …

Das erste Spiel (im WM-Turnier) gegen Taipeh war sehr wichtig, weil sie ein sehr unangenehmer Gegner sind. Sie haben eine komplett andere Spielart als wir hier in Europa. Nach dem klaren 3:0-Sieg konnten wir dann auch die anderen beiden Gruppenspiele souverän gestalten. China war ja gegen uns nach der 2:3-Niederlage gegen Taipeh schon in Zugzwang und konnte diesem Druck nicht standhalten. (…) Das härteste Spiel hatten wir dann in der Zwischenrunde gegen die Dominikanische Republik. Ein Spiel, dass 2 Stunden und 20 Minuten gedauert hat. So was passiert heutzutage ja nur noch selten, um so wichtiger war es, dass wir es am Ende für uns entscheiden konnten. Denn im Endspiel hatten wir zweimal Satzbälle gegen uns, und konnten sie beide Male abwehren. Das war für den Gegner sicher der Knacks – dann haben sie bestimmt angefangen zu denken Puh, jetzt passiert das gleiche wie im Spiel vorher…. (…)
Im Grunde haben wir von Tag zu Tag besser gespielt, und die Gegner haben mehr und mehr Respekt. Wie zum Beispiel Bulgarien im Halbfinale – sie haben zwar auch zwei Angreiferinnen, die in der Bundesliga sicher voll vorn mitspielen könnten, aber die hatten dann ein bisschen Angst, die sie dann erst im dritten Satz abschütteln konnten. So etwas haben wir uns aber auch selber erarbeitet. (…) Mit den Aufgaben haben wir viele Punkte gemacht, und konnten damit auch immer Druck ausüben und den Spielaufbau für den Gegner schwierig machen. Gegen die Dominikanische Republik war das nicht so ausschlaggebend, weil sie zwei herausragende Angreiferinnen haben, die mit ihrer enormen Sprungkraft auch hohe Bälle verwerten konnten, aber in anderen Spielen wie z.B. gegen die Türkei hat uns die Stärke bei den Aufschlägen sehr geholfen. (…)

…und den Vorteil DVL-Spielpraxis für die Junioren-Weltmeister.

Das war sehr, sehr wichtig, besonders in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft hat uns das sehr geholfen. Da hatten wir nur eine Woche Vorbereitung, bevor es in der Ukraine losging. Aber das war dadurch nicht so dramatisch. Zwei drei Spielerinnen kamen noch rein, aber der Rest war schon eingespielt durch die Zeit beim VCO, und hat natürlich auch jede Menge Selbstvertrauen aus der Bundesliga mitgenommen. Wir haben dort immerhin Vilsbiburg, Suhl und Stuttgart geschlagen. (…)

Die Weltmeisterinnen stehen ab der kommenden Saison mittlerweile bei anderen Teams unter Vertrag, aber für Han Abbing bleibt auch ohne eine Bundesliga-Mannschaft noch einiges zu tun. Das Berliner VCO-Team für die zweite Bundesliga kam mangels wechselwilliger Nachwuchsspielerinnen nicht zustande, und so sieht Han für die kommenden Monate die Chance, mal die Stützpunkte zu besuchen und sich vor Ort bei den Trainern zu informieren, und die Optionen für 2010/11 auszuloten.

Einen Besuch in Suhl wird es vielleicht auch mal wieder geben, und für die neue Saison sieht Han gute Chancen für einen Aufwärtstrend beim VfB. Das ausgegebene Saisonziel „Kampf um die Medaille“ hält er für eine große, aber realistische Herausforderung für das neue Team um seinen guten Bekannten Jean-Pierre Staelens: Er war damals selber ein großartiger Volleyballer, der in der heutigen Zeit in Italien oder Russland hätte spielen können. (…) Er kennt die Volleyball-Szene sehr gut, und wird auch mit den Herausforderungen in Suhl zurecht kommen.
Im Rennen um den Titel hat für Han Abbing der Schweriner SC klar die Favoriten-Rolle: Sie haben sich sehr klug verstärkt, und weder Dresden noch Vilsbiburg werden da mithalten können, wenn alles glatt laufen sollte. Abwartender klang es bei Wiesbaden, wo es wohl erst darauf ankommt, zu sehen wie das neu formierte Team zusammen wächst. Von der Vorbereitung in China könne das Team aber nur profitieren.

Mal sehen in wie fern die Prognosen heuer der Realität gerecht werden können, waren doch in der vergangenen Saison so ziemlich alle Experten auf dem Holzweg. Wir bedanken uns an dieser Stelle auf jeden Fall noch einmal für das ausführliche Gespräch und freuen uns schon auf ein Wiedersehen in der Wolfsgrube. (SC)

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